O clavis David (o Schlüssel Davids)

O Schlüssel Davids

und Zepter des Hauses Israel,

Du öffnest und niemand schließt,

Du schließest und niemand öffnet.

Komm

und befreie aus dem Kerker den Gefangenen,

der da sitzt in Finsternis

und im Schatten des Todes.

Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter; was er öffnet, kann niemand verschließen, und was er verschließt, kann niemand mehr öffnen. Ich schlage ihn an einer festen Stelle der Mauer als Nagel ein. – Ich habe ihn geschaffen, den Gefangenen zu sagen: Kommt heraus!, und denen, die in der Finsternis sind: Kommt ans Licht!

Jes 22,22-23; 49,8-9

Türen auf- und zuschließen, das sind Vorgänge, die wir tagtäglich vollziehen – sei es die Schranktür, die Haustür, die Autotür oder der virtuelle Schlüssel im Computer. Es ist jedes Mal auch ein Gefühl der Sicherheit, der Freiheit oder sogar der Macht, eine Tür aufschließen zu können, ohne dass jemand anderes sie wieder abschließen kann, oder sie abzuschließen, ohne dass jemand sie wieder aufschließen kann.

Offene und verschlossene Türen erleben wir auch im übertragenen Sinne: Mitmenschen sind offen oder verschlossen, Situationen kommen uns wie Sackgassen vor, wir rennen in einer verfahrenen Situation gegen Wände oder sind einer Bedrohung ausgeliefert, ohne jede schützende Tür, die wir abschließen könnten. Früher oder später macht jeder Mensch diese Erfahrung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: ohne Schlüssel dazustehen. Wir kommen uns dabei ziemlich armselig vor, denn je nach Umständen kann es eine echte Grenzerfahrung sein.

Wenn wir den kommenden Erlöser, den wir Christen in Jesus erkennen, als „Schlüssel Davids“ anrufen, erkennen wir an, woher er als Mensch kommt. Und wir glauben daran, dass er uns eine Tür öffnen kann in eine Tiefe, zu der er allein Zugang hat, weil er aus Gott kommt. Es ist die Tür zum Leben, durch die er uns hinausführen will in die Dimension des ewigen Geliebt-Seins, der Vertrautheit mit Gott, den er liebevoll Abba (Papa) nennt, an der er uns Anteil geben will. Es ist die offene Tür in das Zelt der Begegnung mit ihm und untereinander in einer neuen Tiefe und Lebendigkeit, in das „ewige Leben“, das jetzt schon beginnt, und zugleich die Tür, die uns schützt vor allem, was dieses neue Leben in uns zerstören will.

 

 

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