ABC des Glaubens

Auf Dich, Du Liebe in Person, Urheberin des Alls, vertraue ich.

Bei Dir findet mein Herz Erfüllung – durch nichts zu toppen!

Choreographie des Lebens, in Dir will ich mein Leben tanzen.

Denn Du bist das Leben selbst – verschenkt, empfangen, geteilt.

Einen Schwur hast Du uns gegeben:

Für immer bin ich bei Euch.

Grund Eures Lebens ist meine Liebe.

Hoch steht sie über allem, was Euch bedrängen kann.

Ihr seid eingraviert in meinem Vaterherz. 

Ja, ich tröste Euch  wie eine Mutter ihr Kind.“ 

Kannst Du aber, Mutter des Lebens, nur zuschauen und trösten?

Lässt Liebe die Geliebten vor sich hin wurschteln?

Muss sie nicht ganz nah bei ihnen sein?

Nein, Liebe kann nicht nur zuschauen!

Ohne Zögern kommt sie ihren Lieblingen entgegen.

Pausenlos suchst Du nach Wegen, bei uns anzukommen.

Quelle unseres Seins, willst Du uns erquicken,

Rast schenken unserer unruhigen Seele,

So nah bei uns – auf Augenhöhe.

Treu und konsequent, wirst Du Mensch.

Und bittest eine Frau, Dir Mutter zu sein – Maria.

Voll fasziniert von Dir, lässt sie Dich herein,

wagt mit Dir das Abenteuer Deiner Menschwerdung.

X-Beliebige töten Dich – Du liebst erst recht, gibst nicht auf. 

Yoga, Techno, alles vergeht. Am Nullpunkt nur – Deine Liebe.

Zu stark dem Bösen, besiegt sie den Tod, tanzt mit uns ins LEBEN.

Amen – komm herein mit Deiner LIEBE und breite Dich aus!

 

In der Heiligen Schrift, genauer im Alten Testament, vor allem in den Psalmen, war es oft üblich, einzelne Sätze oder Abschnitte eines Gebetes oder einer Betrachtung der Reihe nach am Alphabet auszurichten. Das heißt, der Anfangsbuchstabe des Satzes oder des Abschnittes war jeweils der Buchstabe des Alphabets, der an der Reihe war. So ging man von A bis Z – nein, von Aleph bis Taw – das ganze hebräische Alphabet durch. Beispiele dazu sind Psalm 37 oder auch Psalm 119.

In vielen Übersetzungen ist dies leider nicht mehr zu erkennen. Nur bei Psalm 119 hat man den entsprechenden hebräischen Buchstaben meist sozusagen als Überschrift jeden Abschnittes gelassen, weil er da aufgrund der längeren Abschnitte den Textfluss nicht stört. Im Original stört dieser Buchstabe natürlich nie, denn er ist lediglich der Anfangsbuchstabe des (ersten) Verses. Aber in der Übersetzung wirkt der ausgeschriebene hebräische Buchstabe vor dem Vers in der Tat leicht wie ein störender Fremdkörper, wenn man nicht weiß, was das bedeutet.

Im Grunde genommen kennen wir auch solche Wortspielereien. Der Reim ist z.B. so eine. Der Autor schränkt sich ein, unterwirft sich freiwillig gewissen Regeln und kann oft gerade durch diese Einschränkung viel treffender ausdrücken, was er sagen will – wenn das Gedicht gelingt. Es ist, als würden die freiwilligen Grenzen (des Reimes) dem, was wir zu sagen haben, ein stärkeres Profil verleihen. Es prägt sich beim Hörer besser ein. Das war wohl auch das Anliegen der Autoren der heiligen Bücher – zumal viele Menschen damals nicht lesen konnten und auf das Auswendig-Lernen angewiesen waren. Da diente das Alphabet als Merkhilfe. Außerdem war für die biblischen Schriftsteller Sprache überhaupt etwas Heiliges. Dass Gott sich menschlicher Sprache bedient, um mit den Menschen in Beziehung zu treten, erfüllte sie mit solcher Ehrfurcht, dass für sie nicht nur die Texte, sondern schon die Buchstaben, aus denen sie komponiert sind, heilig waren, als Medium für Gottes Zuwendung zu den Menschen. Jeder Buchstabe war willkommen, um etwas von diesem wunderbaren Gott auszudrücken, kein Jota wurde ausgelassen.

Stellen wir uns unser ganzes Leben wie ein Alphabet vor, so können wir davon ausgehen, dass Gottes Liebe in jede Situation hinein, die wir erleben, mit genau diesen Bausteinen unseres Erlebens ausbuchstabiert werden kann. Wir können sie, inspiriert von Gottes Geist, lesen in dem, was wir erleben, und kein Jota wird ausgelassen. Auch das wollten die Autoren wohl sagen, und besonders die Psalmen legen Zeugnis davon ab – manchmal erschütternd.

Dass es Mühe kostet, die Botschaft der Liebe Gottes zu entziffern, spricht noch nicht gegen sie. Dass viele Menschen sie seit Jahrtausenden bereits lesen und daraus leben konnten, und das in höchst extremen Situationen, spricht für sie.

Mich haben die „Wortspielereien“ der Heiligen Schrift dazu angeregt, einen modernen christlichen Psalm zu schreiben (s.o.) – mit den Anfangsbuchstaben jeder Zeile von A bis Z an unserem Alphabet orientiert. Es ist ein als Gebet formuliertes Glaubensbekenntnis. Nicht als Ersatz für das Apostolische Glaubensbekenntnis, sondern eher ein meditatives Gebet dazu – vielleicht auch eine weibliche Ergänzung zu den eher männlich ausformulierten „offiziellen“ Credo-Sätzen –, in dem ich die wesentlichen Züge unseres christlichen Glaubens betend zum Ausdruck bringe.

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Seht die Liebe

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Seht, das Lamm Gottes,

das die Sünde der Welt hinwegnimmt.

(Joh 1,29)

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In Deine Liebe möchte ich eintauchen,

die so tief in unser Leben eingetaucht ist,

bis in den Tod.

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Deine Liebe lässt niemanden aus,

sucht noch den Allerletzten

in der schwarzen Nacht des Todes,

und wirbt um sein Herz.

Sonst wäre sie nicht.

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Deine Liebe,

gewaltlos wie ein Lamm,

seht sie da hängen,

angenagelt am Kreuz.

Seht sie untertauchen

in die Nacht des Todes.

Und seht – sie stirbt nicht.

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Seht sie auferstehen,

lebendig wie ein Lamm.

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In Deine Liebe, Jesus, möchte ich eintauchten,

die so tief in unser Leben eingetaucht ist,

bis in den Tod.

Und in ihr auferstehen – jetzt.

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Lieben in Deiner Liebe

ist Anteil haben an Dir,

ist auferstehen.

Jetzt.

Egal wo.

 

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Gnade und Wahrheit

Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief:

Dieser war es, über den ich gesagt habe:

Er, der nach mir kommt,

ist mir voraus,

weil er vor mir war.

Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,

Gnade über Gnade.

Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,

die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.

Niemand hat Gott je gesehen.

Der Einzige, der Gott ist

und am Herzen des Vaters ruht,

er hat Kunde gebracht.

(Joh 1,15-18)

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Da ist er wieder – der Vermittler Johannes (der Täufer). Er spricht von dem, der „nach“ ihm kommt. Ein halbes Jahr nur sind die beiden Verwandten auseinander, Jesus und Johannes, aber Jesus, den Johannes meint, ist eben der Jüngere. Johannes, noch an der Schwelle vom Alten zum Neuen Testament, führt ihn vermittelnd ein, stellt ihn  der Öffentlichkeit vor mit den Worten: „Der nach mir kommt, ist mir voraus“.

Aber er ist ihm nicht voraus, weil er tüchtiger, größer, schlauer, schneller wäre, sondern, „weil er vor mir war“. Für uns Christen ist klar, was er damit meint: In Jesus ist Gott selbst Mensch geworden. Daher ist Jesus als Mensch zwar jünger als Johannes, als Gott aber ist er das Sein schlechthin, das Leben in Fülle in Person.

Doch er behält es nicht für sich:

Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.“

Was heißt das?

Fülle: überfließendes Leben, göttliches Leben.

Gnade: bedingungslose Annahme des Menschen.

Alle haben wir von dieser Art der Fülle empfangen, weil wir alle von ihm geliebt werden. Es ist nicht materielle Fülle, nichts, was man zählen und anhäufen kann. Es ist Fülle der Liebe.

Aber um etwas von dieser Fülle erahnen zu können, braucht es eine Vorbereitung. Ich kann ein Gefäß nur füllen, wenn ich es zuvor in die Hand nehme und seine Leere registriere.

Dem diente das „Gesetz“ des Mose: dem Registrieren unserer Leere, unserer Grenzen, unserer Bedürftigkeit. Dem dient letztlich alles Bemühen um das Ordnen unseres Lebens, auch wenn es nicht so beabsichtigt ist. Natürlich dienen die tausend Gesetze und Vorsätze, die wir uns geben, der Ordnung, dem gelingenden Zusammenleben, und bis zu einem gewissen Grad kann das ja auch gelingen. Aber irgendwann trifft unser Blick in die innere Leere, die durch noch so perfektes Ordnen und Gestalten nicht gefüllt werden kann. Es ist nicht eine Leere, die wir mühsam „produzieren“ durch meditative Versenkung, auf die wir fast schon ein bisschen stolz sein könnten, sondern eine, die längst zu uns gehört, die wir aber erst nach und nach entdecken: einfach deswegen, weil wir in unseren Bemühungen an Grenzen stoßen.

Wäre es dann nicht besser, sich gar nicht erst zu bemühen? Aber dann würden wir die Grenzen gar  nicht wahrnehmen. Wer zum Beispiel andere hasst, wird es erst dann merken, wenn er versucht, sein Verhalten zu ändern. Vorher wird er seine Haltung und sein Tun immer nur rechtfertigen, und die anderen sind „die Bösen“. Beim Bemühen um Veränderung stößt er aber an seine Grenzen und merkt schmerzlich, wie leer er ist und wie wenig er sich selber füllen kann – eigentlich gar nicht. Dieses Entdecken – sofern er es zulässt – wirft ihn der Fülle der Liebe Gottes in die Arme, aus der wir alle empfangen haben.

Gnade, die Dich annimmt und Dich neu auf den Weg stellt,
Wahrheit, die Dir Halt und Geborgenheit gibt,
Wahrheit der Liebe.

Liebe, die nicht Gefühl oder Stimmung,
sondern eben Wahrheit ist.

Liebe, die nicht Belohnung,
sondern Wahrheit ist.

Liebe, die sich nie empört abwendet,
sondern Gnade und Wahrheit ist.

Liebe, die einen Namen trägt:

Jesus Christus.

Liebe, die Gott ist,
am Herzen des Vaters ruht,
und uns von sich erzählt.

 

 

 

 

 

 

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Und das Wort ist Fleisch geworden

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Und das Wort ist Fleisch geworden

und hat unter uns gewohnt

und wir haben seine Herrlichkeit gesehen,

die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,

voll Gnade und Wahrheit.

Joh 1,14

Du Fleisch gewordenes Wort,

Du Mensch gewordener Gott,

Jesus Christus, Sohn des Vaters,

nicht nur wir lassen uns in Deine Liebe hinein los,

wenn wir Dich empfangen.

Auch Du lässt Dich los

auf uns hin,

in unsere Wirklichkeit hinein…

Zuerst.

Wer kann das erfassen?

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Doch – findest Du Liebe in uns,

wie wir in Dir?

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Zum Kind-Gottes-Sein ermächtigt

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Er war in der Welt

und die Welt ist durch ihn geworden,

aber die Welt erkannte ihn nicht.

Er kam in sein Eigentum,

aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Allen aber, die ihn aufnahmen,

gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,

allen, die an seinen Namen glauben,

die nicht aus dem Blut,

nicht aus dem Willen des Fleisches,

nicht aus dem Willen des Mannes,

sondern aus Gott geboren sind.

(Joh 1,10-13)

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Meine Deutschlehrerin hätte da gleich den Rotstift angesetzt: Er war in der Welt… Wer, bitte? Der einzige „Er“ von dem im Johannesprolog bisher die Rede war (vgl. letzte Posts), ist Johannes gewesen. Aber der kann hier nicht gemeint sein, denn durch ihn ist ja nicht die Welt geworden. Ja, und Gott kam vor, wenn man ihn denn auch als ein „Er“ bezeichnen will – was die Bibel bekanntlich tut. Von Jesus Christus, den wir Christen sofort  in diesem „Er“ sehen, ist in den ersten Sätzen noch gar nicht ausdrücklich die Rede gewesen. Nur immer vom Wort. Dann müsste aber „Es“ da stehen. Nun, der griechische Begriff für „Wort“ ist Logos, und der ist maskulin. Den hatten die Übersetzer wohl im Kopf, als sie „Er“ schrieben. Das Wort, das Johannes meint,  ist eben nicht dinglich, es ist Person.

„Logos“ ist im Griechischen mehr als ein bloßes Wort. Es kann Wort, Rede, Vernunft, Sinn, Verständnis und ich weiß nicht was sonst bedeuten. Im Grunde ist es etwas, was wir nicht greifen können, was uns aber trägt, Sinn und Bestand unseres Lebens. Unser Grundwasser sozusagen, oder die Luft, die wir atmen. Und – christlich gesehen – etwas sehr Personales, das uns nicht in einem gut funktionierenden Räderwerk verschwinden lässt, sondern persönlich meint und einbezieht. Wer mit dem Denken des Johannes vertraut ist, weiß: Für ihn ist dieser Logos nichts anderes als Liebe. Und Liebe gibt es nur von Person zu Person. Liebe ist der tiefste Sinn allen Daseins.  Liebe, die sich in Gott selbst ausdrückt, ja die dieser Liebesausdruck selbst IST und sich öffnet auf die Schöpfung hin; Liebe, die als geheimnisvolle Kraft alles in einem inneren Zusammenhang hält und aufeinander abstimmt wie in einer wunderbaren Choreographie.

Aber die Welt erkannte ihn nicht. Wie ist das möglich? Dieser Logos, Gott selbst, der die Liebe ist,  kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie können ausgerechnet „die Seinen“ das Spiel so verderben? Und sie tun es bis heute…

Liebe lässt Freiheit. Ja, tatsächlich, sie macht ernst damit. Sie kann auch abgelehnt werden. Liebe lässt diese Freiheit zu. Das gehört zu ihr. Sie schlägt keine Tür zu – auch dann nicht, wenn ihr Türen zugeschlagen werden. Das macht sie glaubwürdig. Aber auch leidend… in erster Linie mit den leidenden Menschen. Denn die Ablehnung trifft nicht nur sie, sondern hinterlässt auch Opfer unter den Menschen. Grausamens Leid, das die Lebensverweigerer anderen antun. Die Liebe leidet mit. Sie sehnt sich mit und sucht. Sie wirbt und lädt ein. Sie geht mit – auch durch den Tod. Und LEBT dennoch, weil sie selbst LEBEN ist.

Wo diese Liebe aber aufgenommen wird – und das geschieht offensichtlich auch -, ermächtigt sie zum Kind-Gottes-Sein.

Hat ein Kind jemals die Macht, zu bestimmen, wessen Kind es sein will? Nein! Selbst ein (älteres) Adoptivkind nicht, denn es bleibt zeitlebens das leibliche Kind seiner leiblichen Eltern.

Wir aber haben die Macht, Kinder Gottes zu sein – wenn wir das Wort aufnehmen. Johannes spricht ausdrücklich von „leiblichen Kindern“, nämlich: die aus Gott geboren sind. Und um nicht missverstanden zu werden, setzt er noch eins drauf und spielt quasi dieses neue Geborensein gegen die normale leibliche Herkunft aus. Nicht, dass er sie leugnen will, aber sie spielt keine Rolle mehr. Natürlich ist das eine spirituelle Aussage, die „Beziehung“ meint, keine Übermenschen. Aber schon etwas Ganzheitliches. Bis in den Leib hinein haben wir teil am neuen Leben in Christus, vom Ursprung her sind wir Kinder Gottes, durch das Wort der Liebe ins Dasein geliebt und zum Leben und Lieben ermächtigt.  Eigentlich ist ja jeder Mensch ins Dasein geliebt, aber Gott zwingt keinem das Kind-Gottes-Sein auf. Er bietet es an. Wo es aber aufgenommen wird, ist es schon so etwas wie eine „Auferstehung“ mitten in dieser Lebenszeit, eine Ermächtigung zum Leben und Lieben, das im Wort west und das unser Licht ist – und sogar den Leib durchflutet.

Manchen Menschen sieht man das an – selbst wenn sie von Krankheit gezeichnet sind.

Denn Gott selbst wurde

in der Macht seiner Liebe

leibliches Kind der Menschen.

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Vermittler des Lichts

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Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war;

sein Name war Johannes.

Er kam als Zeuge,

um Zeugnis abzulegen für das Licht,

damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

Er war nicht selbst das Licht,

er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,

kam in die Welt.

(Joh 1,6-9)

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Wenn Gottes Liebe uns so nahekommen will,
wie sie es in der Menschwerdung tut,
platzt sie nicht unvermittelt in unseren Lebensbereich herein,
sie erwählt sich Wegbereiter.

Johannes war so einer.

Gottes Handeln ist Zusammenhang,
nicht einsame Spitze
Team-Arbeit.

Aber im Licht der Liebe,
im Geist,
in der Einmaligkeit jedes Menschen,
nicht im mechanischen Räderwerk.

Die ganze Schöpfung ist Team-Arbeit.

Und wir frönen dem Individualismus?

Du wahres Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
lass auch uns Wegbereiter sein,
Menschen, die Fenster und Türen öffnen,
damit Licht in diese Welt kommt.

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Licht der Menschen

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In ihm war das Leben

und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht leuchtet in der Finsternis,

und die Finsternis hat es nicht erfasst.

(Joh 1,4.5)

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Würden wir mit unserer naturwissenschaftlich aufgeklärten Ratio nicht eher sagen:
Das Licht war das Leben der Menschen
– und nicht, wie Johannes:
Das Leben war das Licht der Menschen ?

Jede Pflanze braucht zum Leben Licht. Es lässt die Pflanze sprossen und wachsen. Erst recht wir Menschen brauchen Licht zum Leben. Auch im übertragenen Sinne. Für viele ist der Glaube ein solches Licht. Dieses Licht verstehen nicht wenige aber wie eine Art großer himmlischer Lampe über ihr Leben, unter deren Strahl ihr Leben entsteht und gedeiht. Und sie finden es praktisch, so eine wunderbar verlässliche Lichtquelle  im Glauben zu haben, um leben zu können. Nicht, dass sie nicht Recht damit hätten, aber – wie lebendig empfinden sie diese Lichtquelle? Oder gleicht sie einer fest hängenden Zimmerlampe, deren Glühbirne irgendwann ausgebrannt sein wird?

In Wirklichkeit ist es schon in der Natur anders: Nicht das Licht lässt Leben entstehen, sondern es ist selbst schon Leben. Es ist sowohl am Himmel, in der strahlenden Sonne, als auch im beschienenen Luftraum, aber auch schon gespeichert im Inneren des Samens. Im Zusammenspiel mit Luft, Wärme, Wasser und Erde konkretisiert sich nun dieses bereits überall gegenwärtige Leben in der keimenden und wachsenden Pflanze, die das Leben in ihrem eigenen Entstehen einfängt und nun mit ihren schönen Farben und Formen reflektiert und weitergibt. Sie ist ganz eingebunden in diesen Licht-Leben-Zusammenhang, passiv und aktiv. Er gibt ihr Form, Halt, Farbe und Wachstum und ermächtigt sie dazu, buntes Licht und Leben weiterzugeben.

Das Leben war das Licht der Menschen. Wann sind Menschen „licht“? Wenn sie geliebt werden. Das Geliebt-Sein, und zwar authentisch (nicht nur gemocht), erhellt das Dasein der Menschen, gibt ihnen Form, Halt, Farbe und Wachstum und ermächtigt sie zum Lieben. Alles andere ist nicht so furchtbar wichtig. Wenn sie da ist, die Liebe, leuchtet sie, auch wenn es um mich herum finster ist und selbst wenn meine Emotionen von mancher durch Menschen erfahrenen Finsternis noch belastet sind.

Noch einmal: Dieses Licht des Geliebt-Seins lässt das Leben in uns nicht erst entstehen und erhält es, sondern es ist selbst schon Leben. Es sammelt sich, konkretisiert sich in unserem Dasein, sobald wir es einfangen mit den tiefsten Fasern unseres Wesens und mit den Gaben, die in uns wachsen, reflektieren und weitergeben.

Nach Johannes ist dieses Licht nichts anderes als das „Leben im Wort“, was in seiner Sprache gleichbedeutend ist mit „das Leben in Gott“. Er will damit sagen: Gott selbst ist diese Liebe – ja,  diese Liebe, mit der jeder Mensch ohne Bedingung geliebt wird. Gottes Liebe ist LEBEN, und dieses LEBEN, das in ihm ist und in der Menschwerdung für uns ausströmt, ist das Licht der Menschen.

Und die Finsternis hat es nicht erfasst. Erfasst – aktiv oder passiv? Also aktiv im Sinne von „besiegen“, wie wenn ein schwarzes Loch im Weltall die Lichtteilchen eines Sterns mit seiner unheimlichen Anziehungskraft  erfasst und verschlingt (verschwinden lässt),  oder passiv im Sinne von erkennen, aufnehmen (und reflektieren)? Es sind durchaus gegensätzliche mögliche Bedeutungen. Ich kann leider kein Griechisch, aber nach dem Jesuiten Ansgar Wucherpfennig ist der Satz „die Finsternis hat es nicht erfasst“ bereits als Hinweis auf den Tod und die Auferstehung Jesu zu verstehen.[1] Gottes Liebe, die Fleisch geworden ist und sich unseren Finsternissen aussetzt, wird von der Finsternis eben nicht erfasst und verschluckt. Sie wird aber oft auch nicht erkannt und aufgenommen, also auch in diesem Sinne nicht erfasst  – das war ja gerade die Tragik des Todes Jesu! Er wurde mit seiner Liebe in den Tod getrieben. Doch sie war stärker. Durch den Tod hindurch erwies sie sich als Auferstehung und LEBEN – ewiges, allgegenwärtiges Leben.

Und das Leben ist das Licht der Menschen.

[1] Ansgar Wucherpfennig SJ, Der Johannesprolog – eine alljährliche Überforderung, in: Lebendige Seelsorge 58 (2007) 338–342

 

 

 

 

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Alles ist durch das Wort geworden

Christusikone

Alles ist durch das Wort geworden,

und ohne das Wort wurde nichts,

was geworden ist.

(Joh 1,3)

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Alles, was ist, ist aus Beziehung hervorgegangen.
Alles mit Fäden der Liebe gestrickt.
Und wir müssen uns loslassen
in diesen inneren Zusammenhang hinein,
um LEBEN zu spüren,
um selbst durch das Wort zu werden.

Ja, ganz innen in uns,
da ist es schon:
das Wort, durch das alles geworden ist,
das Wort, das Beziehung ist – Liebe.

 

 

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Im Anfang war das Wort

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 Im Anfang war das Wort

und das Wort war bei Gott

und das Wort war Gott.

(Joh 1,1)

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Im Anfang  – LIEBE

Im Anfang  – ICH BIN DA

Im Anfang  – DU

Im Anfang  – WIR

Im Anfang –  ICH BIN BEI DIR

Im Anfang  – GOTT

 

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O Emmanuel (o Gott mit uns)

O Emmanuel,

Gott mit uns,

Du König und Lehrer,

Du Sehnsucht der Völker

und ihr Heiland:

Komm

und erlöse uns,

Herr, unser Gott.

Große, gewaltige Wasser bedecken dein Land, Immanuel. – Tobt, ihr Völker! Ihr werdet doch besiegt. Horcht auf, ihr Enden der Erde! Rüstet nur! Ihr werdet doch besiegt. Macht nur Pläne! Sie werden zunichte. Denn Gott ist mit uns. – Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht. Denn uns wurde ein Kind geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende.

Jes 8,8-10; 9,1.5-6

Gott mit uns. Wie oft wurden diese Worte schon beansprucht! Zu Recht und zu Unrecht. Auf Waffen und Banner wurden sie geschrieben, obwohl Gott sie als ein Kind in eine Krippe legte, wehrlos dem Leben in allen seinen Schattierungen ausgesetzt wie die allermeisten Menschen. Aber voll Liebe zu uns Menschen. Allein diese göttliche Liebe ist das helle Licht, das die Welt erlöst. Macht der Liebe in der Ohnmacht des Kindes.

Gott ist im Fleische.
Wer kann dies Geheimnis verstehen?
Hier ist die Pforte des Lebens
nun offen zu sehen.
Gehet hinein,
eins mit dem Kinde zu sein,
die ihr zum Vater wollt gehen.

GL 251, 4

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O Rex gentium (o König der Völker)

O König der Völker,

den sie alle ersehnen,

Du Eckstein, der das Getrennte eint.

Komm

und befreie den Menschen,

den du aus Erde erschaffen hast.

Ich schaute in den Gesichten der Nacht: Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft und Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.

Dan 7,13-14

Jesus als König, diese Vorstellung ist uns heute nicht mehr sehr geläufig, wo wir Könige fast nur noch aus Märchenbüchern und Klatschzeitschriften kennen. Aber wir haben mehr denn je ein starkes Gefühl für die Frage: Welcher Geist herrscht hier?

Wenn Jesus als „König“ erwartet und ersehnt wird, heißt das, dass sein Geist der Liebe ersehnt wird, der bedingungslosen Liebe zum Menschen, die er garantiert. Das schließt Freiheit ein, Barmherzigkeit, Offenheit, aber auch den Anspruch, in diesem Geist auch zu wandeln. Es bedeutet, dass seine Liebe, der Geist des Evangeliums, der Geist der Freiheit nicht untergeht und für alle Menschen offensteht, die in dieses „Zelt der Begegnung“ eintreten wollen, wo Leben in Fülle gedeihen kann.

Der „König der Völker“ beschränkt sich nicht auf ein einziges Volk, auch nicht auf eine einzige Institution. Er ist universal, wie echte Liebe universal ist.  

 

 

 

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O Oriens (o Aufgang)

O Aufgang,

Glanz des ewigen Lichtes,

Du Sonne der Gerechtigkeit,

komm

und erleuchte uns,

die wir sitzen in Finsternis

und im Schatten des Todes.

Ich, der Herr, habe dich gerufen, denn ich handle gerecht, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, was ich meinem Volk verhieß, zu vollbringen, und ein Licht für die anderen Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.

Jes 42,6-7

„Es war Nacht in Berlin.“ So sprach der Berliner Erzbischof Koch im Gedenkgottesdienst nach dem verheerenden Anschlag vom 19. Dezember. „Es war aber Nacht.“ So heißt es von Judas, als er aus dem Abendmahlsaal hinauslief, um seinen Plan auszuführen und wenig später Jesus zu verraten. Es ist die Nacht des Fanatismus, des Extremismus, der Ungeduld. Unbegreiflich, wie tief die Nacht im menschlichen Herzen sein kann.  

„O Oriens“, o Aufgang! Wir erwarten Jesus wie den Sonnenaufgang nach einer langen Nacht, rufen ihn als „Glanz des ewigen Lichtes“ an. Möge er unserer Welt einen neuen Aufgang schenken nach diesen schrecklichen Finsternissen, die wir zur Zeit erleben. Möge er die Wunden heilen und auch den Menschen in Syrien nach der fürchterlichen Nacht des Krieges bald einen neuen Aufgang schenken. O Oriens!

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O clavis David (o Schlüssel Davids)

O Schlüssel Davids

und Zepter des Hauses Israel,

Du öffnest und niemand schließt,

Du schließest und niemand öffnet.

Komm

und befreie aus dem Kerker den Gefangenen,

der da sitzt in Finsternis

und im Schatten des Todes.

Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter; was er öffnet, kann niemand verschließen, und was er verschließt, kann niemand mehr öffnen. Ich schlage ihn an einer festen Stelle der Mauer als Nagel ein. – Ich habe ihn geschaffen, den Gefangenen zu sagen: Kommt heraus!, und denen, die in der Finsternis sind: Kommt ans Licht!

Jes 22,22-23; 49,8-9

Türen auf- und zuschließen, das sind Vorgänge, die wir tagtäglich vollziehen – sei es die Schranktür, die Haustür, die Autotür oder der virtuelle Schlüssel im Computer. Es ist jedes Mal auch ein Gefühl der Sicherheit, der Freiheit oder sogar der Macht, eine Tür aufschließen zu können, ohne dass jemand anderes sie wieder abschließen kann, oder sie abzuschließen, ohne dass jemand sie wieder aufschließen kann.

Offene und verschlossene Türen erleben wir auch im übertragenen Sinne: Mitmenschen sind offen oder verschlossen, Situationen kommen uns wie Sackgassen vor, wir rennen in einer verfahrenen Situation gegen Wände oder sind einer Bedrohung ausgeliefert, ohne jede schützende Tür, die wir abschließen könnten. Früher oder später macht jeder Mensch diese Erfahrung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: ohne Schlüssel dazustehen. Wir kommen uns dabei ziemlich armselig vor, denn je nach Umständen kann es eine echte Grenzerfahrung sein.

Wenn wir den kommenden Erlöser, den wir Christen in Jesus erkennen, als „Schlüssel Davids“ anrufen, erkennen wir an, woher er als Mensch kommt. Und wir glauben daran, dass er uns eine Tür öffnen kann in eine Tiefe, zu der er allein Zugang hat, weil er aus Gott kommt. Es ist die Tür zum Leben, durch die er uns hinausführen will in die Dimension des ewigen Geliebt-Seins, der Vertrautheit mit Gott, den er liebevoll Abba (Papa) nennt, an der er uns Anteil geben will. Es ist die offene Tür in das Zelt der Begegnung mit ihm und untereinander in einer neuen Tiefe und Lebendigkeit, in das „ewige Leben“, das jetzt schon beginnt, und zugleich die Tür, die uns schützt vor allem, was dieses neue Leben in uns zerstören will.

 

 

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O Radix Jesse (O Wurzel Jesse)

O Wurzel Jesse,

gesetzt zum Zeichen für die Völker,

vor Dir verstummen die Mächtigen,

zu Dir rufen die Völker.

Komm

und erlöse uns,

zögere nicht länger.

An jenem Tag wird der Spross aus der Wurzel Isais zum Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf. Er sammelt die vertriebenen Israeliten und führt nach Hause die Zerstreuten Judas von den vier Enden der Erde.

Jes 11,10.12

Wir Christen vergessen oft, dass wir nicht uns selber tragen. Wir werden auch nicht ausschließlich vom „lieben Gott“ getragen. Wir werden getragen auch von einer großen Geschichte, einer Geschichte, die schon lange vor Jesus begann: von der Geschichte des Volkes Israel. Oder besser gesagt: von der Geschichte der Beziehung zwischen Gott und diesem Volk, die in Jesus sich öffnete auf die ganze Welt hin, um alle Menschen einzuladen. Jesus, der „Spross aus der Wurzel Isai“ kam eben aus diesem Volk. Und wir Christen glauben, dass in ihm Gott selbst Mensch geworden ist. Ganz Mensch: mit einer Geschichte, einer Abstammung, eingebunden in eine Familie, in ein Volk. Und zugleich ganz Gott. Im „Spross aus der Wurzel Isai“ begegnen Licht und Samen, Himmel und Erde, Gott und Mensch einander.

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O Adonai (o mein Herr)

O mein Herr 

und Fürst des Hauses Israel, 

Du bist dem Mose erschienen

in der Flamme des Dornbuschs, 

und gabst ihm das Gesetz am Sinai.

Komm

und erlöse uns mit starkem Arm.

Mose sagte zu ganz Israel: Du sollst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören und auf seine Gebote und Gesetze achten. Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

Dtn 30,10a.11.14

 

Adonai (hebr. אֲדֹנָי ădonāy „mein Herr“) ist eine der Umschreibungen für JHWH, Gottes Eigenname in der hebräischen Bibel. Das Wort steht – wie Elohim – im grammatischen Plural (meine Herren), um die Hochachtung vor dem Angeredeten auszudrücken. Da Juden den göttlichen Eigennamen „JHWH“ aus Ehrfurcht vor dessen Heiligkeit nicht aussprechen, wird aus der Tora und im Gebet stattdessen Adonai gelesen.

 

 

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O Sapientia (O Weisheit)

O Weisheit,

hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten,

die Welt umspannst Du von einem Ende zum andern,

in Kraft und Milde ordnest du alles:

Komm

und lehre uns den Weg der Einsicht.

Die Weisheit ist der Widerschein des ewigen Lichts,
der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft,
das Bild seiner Vollkommenheit.
Sie ist nur eine und vermag doch alles;
ohne sich zu ändern,
erneuert sie alles.
Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein
und schafft Freunde Gottes und Propheten.
Sie ist schöner als die Sonne
und übertrifft jedes Sternbild.
Sie ist strahlender als das Licht.

(Weish 7,26-27.29)

Es ist interessant, dass der erste Titel für den ersehnten Erlöser  „Weisheit“ ist. Kein Macher wird ersehnt, keiner, der alle Probleme mit einem Kraftakt hinwegfegt, kein „starker Mann“ in brachialem Sinne. Es wird „Sapientia“ oder auf griechisch „Sofia“, die Weisheit ersehnt und angerufen. Aber was ist das? Die Bibel personifiziert gern die Weisheit, mal mit einer Frau – einer Mutter oder einer jungen Gattin -, die einem freundlich und beschwingt entgegenkommt (vgl. Sir 15,2), mal mit einem „geliebten Kind“, das vor Gott spielt, und dessen Freude es ist, „bei den Menschen zu sein“ (Vgl.  Spr 8). Es gibt noch mehr wunderschöne Texte dazu in den Weisheitsbüchern. Die Christen haben in der personifizierten Weisheit Jesus Christus gesehen, und ihn meinen sie, wenn sie im Advent „O Sapientia“ singen.

Aber noch einmal: Was ist Weisheit? Auf Wikipedia wird sie definiert als „ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren.“ Der Weise erkennt den Zusammenhang, den Sinn. Damit steht Weisheit über der Intelligenz. „Fortiter suaviterque“, mit Kraft und Milde ordnet sie alles. Sie hat mit Klugheit, mit Ganzheitlichkeit, mit Weite, mit Ausgewogenheit zu tun – und ist zugleich viel mehr als das alles. Letztlich ist sie eine personale Kraft, weil sie aus dem ewigen Geliebt-Sein entspringt (das spielende Kind vor Gott) und ihre Freude darin findet, „bei den Menschen zu sein“, ihnen entgegen zu kommen, sie zu verstehen, sie zu begleiten, sie zu lieben.

Jesus hat das alles nicht nur „gelebt“, er IST das für uns: Leichtigkeit des Geliebtseins vom „Vater“, Dasein für uns bis in den Tod, freudiges Entgegenkommen (Advent), Begleitung (Weg), Halt (Wahrheit), Ziel (Leben) – die erlösende Weisheit, die unsere Welt so dringend braucht, die Liebe selbst.   

 

 

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Die O-Antiphonen

Mit dem morgigen Tag, dem 17. Dezember, beginnt die letzte Woche vor Weihnachten, und damit die Woche der großen O-Antiphonen. Sie heißen so, weil sie alle mit einem staunend-sehnsüchtigen  „O“ beginnen:

  • O Sapientia (o Weisheit) am 17. Dezember, 
  • O Adonai (o mein Herr) am 18. Dezember, 
  • O Radix Jesse (o Wurzel Jesse) am 19. Dezember,
  • O clavis David (o Schlüssel Davids) am 20. Dezember, 
  • O Oriens (o Aufgang) am 21. Dezember, 
  • O Rex gentium (o König der Völker) am 22. Dezember, 
  • O Emmanuel (o Gott mit uns) am 23. Dezember.

Wenn Sie die Erstbuchstaben dieser „Titel“ in der lateinischen Fassung umgekehrt aneinander reihen, ergibt es : EROCRAS. In diesem Wort stecken zwei Wörter: Ero cras. Das heißt übersetzt: Morgen bin ich da.

Leider sind diese O-Antiphonen, mit denen  sich die sehnsüchtige Spannung auf Weihnachten von Tag zu Tag aufbaut,  vielfach in Vergessenheit geraten – auch wenn möglicherweise genau hier der Ursprung für die allseits beliebten Adventskalender liegt, bei denen wir jeden Tag ein weiteres Türchen öffnen.

Das alte „Gotteslob“ von 1975 enthielt noch Andachten zu den O-Antiphonen, mit einer Erklärung zuvor, sowie die Übersetzungen der Antiphonen und die entsprechenden biblischen Texte in den Andachten.  Das „Neue Gotteslob“ hat diese Andacht leider gestrichen. Es bringt die O-Antiphonen zwar als Lied (Nr. 222) mit einer sehr schönen Melodie aus dem 15. Jahrhundert, lässt aber den Text über die Quellenangabe hinaus ohne weitere Erklärungen.

In den Klöstern werden in den letzten Tagen des Advents die O-Antiphonen im Stundengebet der Vesper als Antiphon zum Magnificat mit Glockengeläut gesungen. So kann sich die Nachbarschaft innerlich mit der Sehnsucht aller Völker nach dem Erlöser verbinden, während die Schwestern und Brüder diese Sehnsucht gemeinsam vor Gott singend zum Ausdruck bringen.

Die O-Antiphonen sind durchweg inspiriert von biblischen Bildern für den Messias, vor allem aus dem Buch Jesaja, mit denen der ersehnte Erlöser – für uns Christen ist es Jesus Christus – jeweils angerufen wird. In den folgenden Tagen soll jede einzelne an ihrem Tag vorgestellt werden, mit dem entsprechenden biblischen Text, von dem sie jeweils inspiriert ist. Weitere interessante Hintergründe zu diesen Antiphonen finden Sie hier. Mögen diese wunderbaren Texte uns vorbereiten auf die Ankunft der Mensch gewordenen Liebe Gottes in unserem Leben!

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Ich bin das Brot des Lebens

Gleich viermal sagt Jesus im 6. Kapitel des Johannesevangeliums „Ich bin das Brot…“

Wenn man die Stellen in den Versen 35, 41, 48 und 51 nacheinander anschaut, kann man gut eine Dynamik erkennen:

 .

Ich bin das Brot des Lebens;

wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern,

und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Jesus spricht zunächst das an, was uns am unmittelbarsten betrifft, die ersten vitalen Empfindungen, die wir nach unserer „Ankunft“ in diese Welt haben und die uns das ganze Leben begleiten: Hunger und Durst – mal mehr, mal weniger gestillt.

 .

Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.

Er spricht überdies unsere spirituelle Sehnsucht an: nach dem, was „vom Himmel kommt“,  den Hunger unserer Seele nach Transzendenz, nach bleibender Erfüllung, nach Ewigkeit.

 .

Ich bin das Brot des Lebens.

Noch einmal nennt er sich „Brot des Lebens“, nachdem seine Zuhörer ihn bitten: „Herr, gib uns immer dieses Brot“. Er hat offenbar ihr Herz getroffen, ihren Hunger und ihre Sehnsucht geweckt.

 .

Ich bin das lebendige Brot,

das vom Himmel herabgekommen ist.

Ständig hat der Mensch Hunger nach Lebendigkeit, Hunger nach dem Himmel auf Erden, Hunger nach unbegrenzten Horizonten, nach bleibendem Leben. Ob es leiblicher Hunger, spiritueller Hunger, Sehnsucht nach Nähe und Gemeinschaft, nach Freiheit und Weite, nach Erneuerung oder nach bleibendem Halt ist – immer ist es Hunger nach LEBEN. Mit jedem Atemzug bringen wir unseren Lebenshunger zum Ausdruck. Jesus stellt sich selber uns als derjenige vor, der diesen Hunger nach Lebendigkeit erfüllt.

 .

Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch,

(ich gebe es hin) für das Leben der Welt.

Und dann kommt die Zuspitzung: Er meint es wörtlich! Meint er denn tatsächlich den Vorgang des Essens und Trinkens? Kein Wunder, dass seine Zuhörer daran Anstoß nehmen! In manchen alten Stammesreligionen, die Kannibalismus kannten, aß man das Fleisch Verstorbener und trank ihr Blut, damit sie in einem selbst weiterlebten bzw. sich ihre Kräfte auf den Esser übertrugen. Aber was rede ich von Stammesreligionen! Noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nahm man – im angeblich so christlichen Europa! – aus medizinischen Gründen Menschenfleisch und -blut zu sich. Natürlich bearbeitet nach bestimmten Rezepten, pulverisiert, abgefüllt als Energy-Drink oder wie auch immer , aber es ging wirklich um den Verzehr von Menschenfleisch und –blut aus den Körpern von Menschen, die eines unnatürlichen Todes gestorben waren – meistens Hingerichtete -, in jeder Apotheke zu kaufen. (Ein wenig erinnert der Ausdruck Kräuterblut noch daran). Man erhoffte sich von diesen pulverisierten Gehirnen, Schädel und abgefüllten Blutsäften Heilung und Vitalkraft – bis im Zuge der Aufklärung diese barbarischen Praktiken aufgegeben wurden.  Heute wissen wir: So meint Jesus es auf keinen Fall. Er meint schlicht und einfach die Eucharistie, bei der er uns in den Zeichen von Brot und Wein sich selber schenkt.

Aber er setzt damit eben schon beim urvitalen Vorgang des Essens und Trinkens an, der uns von frühesten Kindheitstagen an vertraut ist. Durch den Mund und die Berührung nimmt das kleine Kind die Liebe der Mutter auf. Nach dem Verlassen ihres Leibes bei der Geburt, womit die Zeit der körperlichen Symbiose aufhört, wird das Neugeborene mit Leib und Seele in ihre Liebe zärtlich aufgenommen und mit Leib und Seele nimmt das lebenshungrige Kind seinerseits ihre Liebe in sich auf – und kann sie mit der Muttermilch sogar schmecken und ihre Wärme fühlen.

In Jesus nimmt Gott uns Lebenshungrige mit Leib und Seele in seine Liebe auf und möchte, dass auch wir seine Liebe mit Leib und Seele aufnehmen, sie „schmecken“ und fühlen. Mit unserem Leib und unserer Seele, eben nicht nur in einer abstrakten Vorstellung uns mühsam „erdenken“ müssen, dass er uns liebt, sondern wirklich die Liebe aufnehmen, die für uns greifbar Leben ist und Leib wird, um uns ganz in sich aufzunehmen und in uns zu sein. Für mich ist das die größte Faszination des christlichen Glaubens: dass Himmel und Erde, Gott und Mensch so intensiv miteinander kommunizieren. Von wegen leibfeindlich! Das Geheimnis der Eucharistie ist leibfreundlich in höchstem Maße, ganz und gar menschenfreundlich, ganzheitlich! Zu Recht sagen wir, dass die Eucharistie der Kern der Kirche ist, die immer neu vergegenwärtigte Menschwerdung der unendlichen Liebe Gottes in dem, der sie kommunizierend in sich aufnimmt.

 Aber so wie Jesu Zuhörer sich über diese Aussage stritten und die einen „Worte ewigen Lebens“ spürten, während die anderen misstrauisch hinterfragten, ob Jesus sie etwa zum Kannibalismus verführen wollte, und sich daraufhin entsetzt abwandten, so streiten sich die Christen bis heute über die Bedeutung dieser Aussagen…

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Ich-bin-Worte des Johannesevangeliums

In den nächsten Betrachtungen sollen uns die sogenannten „Ich-bin-Worte“ des Johannesevangeliums begleiten. Warum sind sie so wichtig? Uns sollte es heute wohl nicht schwer fallen, solche Selbst-Inszenierungen Jesu gelten zu lassen, da wir uns ja auch ständig selbst inszenieren. Wir bestimmen mit aller Selbstverständlichkeit, was wir sein wollen, machen Selfies und laden sie hoch… Warum soll sich Jesus da nicht hinstellen und sagen: Ich bin Brot, Licht, Tür, Hirt, Auferstehung, Weg, Wahrheit und Leben? Diese Selbstaussagen Jesu wurden einst in die „Netzcommunity“ der Heiligen Schrift „hochgeladen“, in den Kanon der Bibel. Aber – sind das wirklich bloße „Selfies“? Wollte Jesus uns sozusagen Bilder von sich schicken, wie wir sie uns gegenseitig schicken, in Erwartung unserer likes?

Brot, Licht, Tür, Hirt, Weg, Wahrheit, Auferstehung, Leben – das ist doch elementares Leben! Ohne Nahrung und Licht können wir nicht leben, und ohne dass uns eine Tür, ein Lebensweg eröffnet wird, auch nicht. Führung und Geborgenheit, im Bild des Hirten zusammengefasst, gehören ebenso elementar zu unserem Leben. Auf Wahrheit können wir genau so wenig verzichten, so relativistisch sie heute auch dargestellt werden mag. Wir müssen uns darauf verlassen können, dass das, was uns als gut und lebensfördernd angeboten wird, auch wahr ist.  Und Auferstehung! Auferstehung aus den vielen Scherbenhaufen, die wir erleben, Auferstehung an jedem Morgen nach dem Schlaf der Nacht, Auferstehung nach dem letzten Trümmerhaufen, dem Tod.

Nein, es greift zu kurz, Jesu „Ich-bin-Worte“ als oberflächliche Selbstinszenierungen zu sehen. Jesus wollte uns damit Leben schenken – sich selbst, nicht ein bloßes „Selfie“. Und die Einleitung „Ich bin“ ist sehr bewusst gewählt. Sie erinnert an die Selbstoffenbarung Gottes im Alten Testament: „Ich bin der Ich-bin (da)“. Das war alles andere als ein „Selfie“ Gottes, das man womöglich noch beliebig bearbeiten kann. Das war kein zu speichernder (oder zu löschender) Gott. Das war Zusage: Weg, Wahrheit, Leben. Das war Sendung, Befreiung, Verheißung. Und es bleibt spannend, diesen ICH-BIN kennenzulernen, der nichts anderes ist als das, was er eben IST und als solcher auch DA IST, während wir ständig unsere Selfies bearbeiten, verschicken und mit unseren Gedanken und Wünschen überall herumstreunen, nur nicht in uns selbst sind.

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Komm!

Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens. (Offb 22,17)

Nach längerer Pause setzen wir heute unsere Betrachtungen über wichtige Aussagen aus der Apokalypse fort.

Bei den bisherigen Aussagen, die ich wählte, war es Jesus Christus, der sprach, der ermutigte, herausforderte, tröstete – und immer wieder mit den Worten „Ich bin“ auf den Namen Jahwe hinwies, ja sich mit diesem Namen identifizierte, wie der erfahrene Bibelleser leicht merken kann. („Fürchte dich nicht, ich bin es, der Erste und der Letzte…“, „Ich bin das Alpha und das Omega…“, „Siehe, ich komme bald…“, „Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids…“, „Ich bin der strahlende Morgenstern…“)

Heute haben „der Geist und die Braut“ das Wort und sprechen ähnlich einladend. Der Geist und die Braut – wer ist das? Der Geist, das ist natürlich der Heilige Geist, Gottes Geist, den wir als die Dritte Person der Dreifaltigkeit anbeten, die Liebe in Person, die „Vater“ und „Sohn“ verbindet und sich in unsere Herzen ergießt. Und die Braut? Das ist die Kirche, in der diese göttliche Liebe, der Heilige Geist, wirkt. Das heißt natürlich nicht, dass die Kirche perfekt ist, dass nur Liebe in ihr wirkt. Es heißt nur, dass Gottes Geist in ihr wirkt – wenn auch daneben mancher Ungeist immer noch in ihr tobt, der aus heidnischen Resten im Denken, Erinnern und Wollen stammt. Dann denkt man sich seine eigene Welt zurecht, klebt an alten Verletzungen, will mit dem Kopf durch die Wand…  und übertüncht alles fromm. Das ist nicht der Geist Gottes, sondern ein Ungeist (schreckliches Wort).  Aber auf „Ungeister“ brauchen wir ja nicht zu hören.

Sie beide, der Geist und die Braut in ihrem Glauben, Hoffen und Lieben, rufen uns zu: „Komm!“

Wie im Stereo werden wir also gerufen. Oder im Kanon. Und wir setzen den Kanon fort. Oder noch besser: die Fuge. Denn ein Kanon dreht sich immer nur im Kreis, aber eine Fuge hat ein Ziel. Interessant, dass die Apokalypse nicht dazu aufruft, nach dem Hören des Rufes direkt aufzuspringen, sondern dazu einlädt, sich erst umzuschauen, ob wir nicht den Ruf gleich an andere weitergeben und vielleicht sogar jemand mitnehmen können. Ähnlich war es ja auch bei der Berufung der Apostel. Zuerst wurde der Apostel Andreas von Jesus angesprochen. Dieser hörte es und sagte es seinem Bruder Petrus weiter, der hörte auch und rief es wieder einem anderen zu u.s.w.  So entstand und wuchs ganz organisch die Gemeinschaft der Gläubigen, die Kirche.

Wer bei Facebook ist, kennt die Funktion „gefällt mir“, mit der man das, was einen anspricht, direkt markieren, weitergeben, andere darauf aufmerksam machen kann. „Liken“ nennt man das inzwischen auf „Denglisch“. Na ja, man braucht sich mit dem Ausdruck nicht anzufreunden. Aber die Sache entspricht einem tiefen Bedürfnis in uns: dem Bedürfnis nach Mitteilung, nach Teilen, nach Gemeinschaft. Wenn alle, die überzeugt das Evangelium leben und an der Eucharistiefeier teilnehmen, es schaffen könnten, auch nur eine Person, die sie für offen halten, am nächsten Sonntag zum Mitkommen zu bewegen, würden zumindest an jenem Sonntag doppelt so viele Menschen die frohe Botschaft hören, Eucharistie feiern und vielleicht eine ganze Reihe von ihnen das Heil ahnen, das Gott uns schenken will – ja, auch durch die Kirche!

Haben wir Mut, dieses „Komm“ weiter zu rufen, diese Fuge durch die Zeiten nach der Inspiration des Geistes gemeinsam weiter zu komponieren. Ich denke gerade: Fuge heißt „Flucht“. Denn die eine Durchführung des Themas jagt die andere. Das Wort „Flucht“ klingt ein wenig negativ, aber das macht die Dynamik der Fuge aus. Das Thema zieht sich durch alle Stimmen, aber nicht gleichzeitig. Mal taucht es im Tenor auf, dann im Alt, dann wieder im Sopran, schließlich fällt der Bass noch ein… In diesem „Jagen“ ist jedoch immer Kontinuität und Gehorsam gegenüber dem Thema, bis die Dynamik in der erweiterten Schlusskadenz ihre Vollendung findet. Ein wirklich schönes Bild für Kirche!

komm –  komm

                     komm – komm

      komm – komm

                                           komm – komm…

Wir müssen unseren Eifer nicht jedem in die Ohren schreien, das würde eher abschrecken. Aber wenn wir spüren, dass ein Mensch sucht, offen und interessiert ist, vielleicht auch leidet und einen Trost braucht, den die Welt nicht geben kann, sollten wir es wagen, dieses „Komm“ ihm weiterzusagen, mit Worten, Gesten, Liedern, Aufmerksamkeiten oder wie auch immer. Im Evangelium heißt es: „Komm und sieh!“ Da wird noch deutlicher, dass der Einzelne zwar deutlich eingeladen wird, aber dann in voller Freiheit kommt, selber sieht und hört, seine Erfahrungen sortiert und Entscheidungen trifft – und vielleicht auch noch andere neugierig macht.

„Proposer la foi“, den Glauben vorschlagen, sagen treffend die französischen Bischöfe… Vorschlagen, noch nicht einmal empfehlen oder gar dazu drängen! Vorschlagen – aber aus ganzem Herzen!

Vielleicht haben wir in diesem Monat die eine oder andere Gelegenheit, das Wagnis des Glaubens vorzuschlagen, in einem wie auch immer ausgedrückten, liebevollen Komm!  – immer wissend, dass Glauben-Können ein Geschenk ist…

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