18. Dezember – Dienstag der 3. Adventswoche

O Adonai

„O Herr
und Führer des Hauses Israel,
im flammenden Dornbusch
bist Du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berg Sinai das Gesetz gegeben:
komm und befreie uns
mit starkem Arm!“ 

O Adonai
et Dux domus Israel,
qui Moysi
in igne flammae rubi apparuisti,

et ei in Sina legem dedisti:
veni ad redimendum nos
in bracchio extento.

(Vgl. Ex 6,2; Ex 6,6)

Unsere Zeit sehnt sich wieder nach starken Gestalten,
die führen und leiten.
Doch o
ft geht diese Sehnsucht in keine gute Richtung,
weil Menschen ihre innere Freiheit verkaufen.

Echte Leitung führt zur inneren Freiheit,
sie braucht sie nicht als Pfand.
Echte Leitung führt zum Leben.
In diesem Sinn ist der Gott Israels Herr und Führer.

In einer Liebe, die brennt und nie verbrennt,
in einer Liebe, die für uns Weg, Wahrheit und Leben ist.
in einer Liebe, die in uns Gestalt werden will.

.
.
S T I L L E
.
.

Ewiger Gott,
durch die Geburt deines Sohnes
aus der Jungfrau Maria
hast du vor der Welt
deine Herrlichkeit offenbar gemacht.
Lass uns das unfassbare
Geheimnis der Menschwerdung
in unverfälschtem Glauben bewahren
und in liebender Hingabe feiern.

Liturgisches Tagesgebet vom 18. Dezember

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 18. Dezember – Dienstag der 3. Adventswoche

17. Dezember – Montag der 3. Adventswoche

O Sapientia

Mindestens seit dem 7. Jahrhundert werden an den letzten Tagen vor Weihnachten in der Kirche die sogenannten O-Antiphonen gesungen. Sie begleiten das Magnificat, den Lobgesang Mariens, der das ganze Jahr über täglich in der Vesper erklingt. In den O-Antiphonen – sie heißen so, weil sie mit O beginnen – wird Christus besungen mit uralten biblischen Bildern und sein Kommen in wachsender Spannung erfleht: „Veni – Komm!“ Diese Antiphonen werden auch jetzt unsere Schritte begleiten auf der letzten Wegstrecke nach Bethlehem. Die erste Antiphon besingt die „Weisheit“ des Allerhöchsten. 

„O Weisheit,
hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten,
die Welt umspannst Du
von einem Ende zum andern,
in Kraft und Milde ordnest Du alles:
komm und offenbare uns den Weg der Einsicht.“

O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
veni ad docendum nos
viam prudentiae.

(Vgl. Weish 7,22ff; Spr 8,22)

Stark und mild.
im Lateinischen klingt es noch schöner:
Fortiter suaviterque.
Wir verwechseln oft Stärke mit Draufgängertum
und Milde mit Nachgiebigkeit.
Dabei ist echte Stärke mild,
und echte Milde stark.
Vielleicht ist es die größte Kunst des Heiligen Geistes,
uns so zu formen,
dass wir stark und mild zugleich sein können.

Aber nicht bloß irgendwo dazwischen sein
wie halbstarke Schwächlinge,
sondern ganz stark und ganz mild,
das heißt:
mit starken Wurzeln
in Gottes Güte verankert sein.
Aus der Kraft seiner Liebe
sich mild den Menschen zuwenden.
Nicht als Spielball,
sondern als Licht.

Stark und mild ist Gott in seiner Menschwerdung.

.
.
S T I L L E
.
.

Allmächtiger Gott,
noch lastet die alte Knechtschaft auf uns,
noch drückt uns das Joch der Sünde.
Schenke uns die wahre Freiheit
und mach uns neu durch die Geburt deines Sohnes,
auf die wir gläubig warten.

Liturgisches Tagesgebet vom 17. Dezember

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 17. Dezember – Montag der 3. Adventswoche

16. Dezember – 3. Adventssonntag

Ein Tag der Freude

Heute ist ein Tag der Freude.
„Gaudete – freut Euch!“
So singt die Kirche an diesem Sonntag
seit Jahrhunderten.
Freut Euch auf Gottes Ankunft!
Die Engel üben schon ihr Gloria.

„Gloria in excelsis Deo!“
Ehre sei Gott in der Höhe!
Der zweite Teil fehlt noch,
den müssen sie noch extra üben 

– mit uns:
„Et in terra Pax hominibus
bonae voluntatis.“
Und Friede auf Erden
den Menschen seiner Gnade.
Das ist doppelchörig zu singen,
im Himmel und auf Erden.
Engelchöre und Menschenchöre.
Ein Echogesang.
Sonst klingt‘s nicht.

Denn die Friedenszusage muss jemand abnehmen,
glaubend annehmen,

sonst wird sie verschluckt
zwischen den Misthaufen dieser Welt.
Das göttliche Kind muss aufgenommen werden.
Denn dieses Kind ist Gottes Ehre
und Frieden für die Menschen.

Wir sind Menschen von Gottes Gnaden.
Kinder von Gottes Wohlwollen.
Ist das kein Grund zum Einstimmen?

.
.
S T I L L E
.
.

Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen
das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit
für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle
ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.

Liturgisches Tagesgebet vom 3. Adventssonntag (Gaudete)

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 16. Dezember – 3. Adventssonntag

15. Dezember – Samstag der 2. Adventswoche

Verwandt mit dem Licht

Das Licht kann nur aufstrahlen
von unseren Herzen aus.
Ein anderes Einfallstor gibt es nicht.
Aber es ist Gottes Licht,
genährt von seiner Liebe.

Wo Licht ist, ist auch Schatten.
Doch wir sind nicht mit dem Schatten verwandt,
geboren hat uns das Licht.

Wir haben aber die Möglichkeit,
in den Schatten zu gehen,
in die Verneinung,
uns dort einzurichten.
Weil wir frei sind.

Doch dann sind wir ein Nein
zu Gottes Schöpfung,
ein Nein zum Leben.
Überschattet.
Entfremdet.
Verloren in der Nacht.

Verwandt sind wir mit dem Licht.
Wir können ein Ja sein, 
ein Ja zu Gottes Schöpfung.
Leuchtend auch in der Nacht.
Frei.
Lebendig.

Dankbar

.
.
S T I L L E
.
.

Allmächtiger Gott,
lass deine Herrlichkeit
in unseren Herzen aufstrahlen
und nimm den Todesschatten der Sünde von uns,
damit wir bei der Ankunft deines Sohnes
als Kinder des Lichtes offenbar werden.

Liturgisches Tagesgebet vom Samstag der 2. Adventswoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 15. Dezember – Samstag der 2. Adventswoche

14. Dezember – Freitag der 2. Adventswoche

Licht und Last von Jahrtausenden

Im Winter leiden viele Menschen unter der Dunkelheit.
Es fehlt das Licht.
Sie werden müde, matt, depressiv.
Es fehlt das Licht.
Sich krampfhaft wachzuhalten hilft nicht.
Es fehlt das Licht.

Wir erleben derzeit Gotteskrise, dunkle Nacht.
Es fehlt das Licht.
Viele sind frustriert, geben auf.
Es fehlt das Licht.
Vergeblich unser Aktionismus.
Es fehlt das Licht.

Wie könnte es wieder vor unseren Augen
leuchten und wärmen,
so dass wir es erblicken und erspüren,

das Licht Ewiger Liebe,
das sich aufgemacht hat zu uns
?
Und wachsend auf unser Erwachen wartet
wie die aufgehende Sonne im Frühling? 

Hinter der Scheidung der Geister –
ahnst Du es nicht?
Einen kleinen Schritt weiter –
besummt nicht sein Widerschein den schwarzen Himmel?
Setz Dich und schau hin –
siehst Du es nicht still wachsen?

Glaub nur – es kommt der Frühling, 
Du wirst erblicken das Licht von Gottes neuer Welt.
Jetzt ist Zeit, nach Bethlehem zu gehen,
wo neuer Glanz die Nacht erweckt
und Dich be-wegt zu Deinen Schwestern und Brüdern.
Du wirst staunen, wie es sich ergießt in Deinen Alltag. 

Auch wenn Du die Quelle noch nicht siehst,
Dein Herz erahnt sie – zuverlässig wie eine Wünschelrute.
Setz Dich für eine Viertelstunde an die Quelle,
sobald Du sie ahnst, 

ein Schriftwort, das Dich berührt, in der Hand.
Und gönn Dir jeden Tag diese Freiheit.

.
.
S T I L L E
.
.

Allmächtiger Gott,
gib, dass wir die Ankunft deines Sohnes
mit großer Wachsamkeit erwarten
und unserem Erlöser und Heiland Jesus Christus
mit brennenden Lampen entgegengehen.

Liturgisches Tagesgebet vom Freitag der 2. Adventswoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 14. Dezember – Freitag der 2. Adventswoche

13. Dezember – Donnerstag der 2. Adventswoche

Das bewegliche Herz

Ein besonders schwerer Brocken
auf dem Weg nach Bethlehem
ist die Gleichgültigkeit. 
Die zieht einen in den Graben. 
Alles gleich-gültig,
es gibt keine Prioritäten mehr,
und damit keinen Grund,
weiterzuziehen.

„Christus nichts vorziehen“,
so tönt es durch die Jahrtausende
aus den Kehlen unzähliger Heiliger.
Sie setzten ihre Priorität.

Mit ihrer ganzen Existenz
wurden sie zu Ruferinnen und Rufern.
Von innen her.
Vom Geist beseelt.

Könnte diese Bereitschaft
noch einmal
zur Priorität werden
in uns?

Die Stimme weitertragen,
zu Einladenden werden,
die den Glauben an die Große Liebe
immer wieder vorschlagen,
von Tag zu Tag,
von Jahr zu Jahr,
von Generation zu Generation,
von Jahrhundert zu Jahrhundert,
 
mit ihrer ganzen Existenz,
in aufrichtiger Wertschätzung für alle:
den Glauben an den Gott, der Mensch wird.

.

S T I L L E

.

.

Rüttle unsere Herzen auf, allmächtiger Gott,
damit wir deinem Sohn den Weg bereiten
und durch seine Ankunft fähig werden,
dir in aufrichtiger Gesinnung zu dienen.

Liturgisches Tagesgebet vom Donnerstag der 2. Adventwoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 13. Dezember – Donnerstag der 2. Adventswoche

12. Dezember – Mittwoch der 2. Adventswoche

Stimme des Rufers in der Wüste

Johannes der Täufer, die große biblische Adventsgestalt,
die in der Wüste ihre Stimme fand.
Sein Vater hatte seine Stimme verloren,
weil er nicht vertrauen konnte.
Er fand sie erst wieder,
als er zum Vertrauen wiederfand
und den großen Lobpreis anstimmte.

Johannes war so eins mit seiner Stimme und seinem Wort,
dass er sich selbst als Stimme bezeichnete:
Stimme des Rufers in der Wüste.
Er war voller Vertrauen,
dass Gottes Heil unmittelbar bevorstand
und ihm nur noch Wege zu bereiten waren,
damit es ankommen konnte.

Gottes Liebe wird Gestalt,
Fleisch und Blut,
nicht in Gedanken,
sondern wirklich.
Mit Geburtsort und Geburtsdatum.

Und Johannes ruft weiter, bis heute.
Denn Gottes Mensch gewordene Liebe
ist noch nicht überall angekommen.
Und die weglosen inneren Wüsten
scheinen größer denn je…

 

S T I L L E

 

 

 

 

Allmächtiger Gott,
du hast uns durch Johannes den Täufer gemahnt,
Christus, dem Herrn, den Weg zu bereiten.
Stärke uns mit deiner Kraft,
damit wir nicht müde werden, diesem Ruf zu folgen,
sondern die tröstende Ankunft dessen erwarten,
der uns Heilung bringt.

Liturgisches Tagesgebet vom Mittwoch der 2. Adventwoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 12. Dezember – Mittwoch der 2. Adventswoche

11. Dezember – Dienstag der 2. Adventswoche

Das zugesagte Heil

Finde ich meine Stimme,
dann bin ich in der Lage,
in den Chor der Glaubenden, Hoffenden und Liebenden
einzustimmen.
Vorher nicht.
Vorher verwirrt mich das Vielerlei,
und ich kann nicht wissen,
welchen Platz meine Stimme dort hat.

Gottes Zusage unbedingter Liebe
gilt allen Menschen auf dem ganzen Erdkreis,
egal, welche Vorstellung von Gott sie haben.

Wenn wir Christen „universal“ denken,
dann nur deswegen:
weil Gottes Liebe universal ist.

Gottes Erbarmen gilt allen.
Das größte Mysterium aller Zeiten,
noch größer als die Schöpfung:
Die ewige Liebe nimmt Gestalt an unter uns.

Gibt es eine größere Freude?

 

S T I L L E 

 

 

Gott des Erbarmens,
du hast allen Völkern der Erde das Heil zugesagt.
Lass uns voll Freude
das Fest der Geburt Christi erwarten
und das große Geheimnis
seiner Menschwerdung feiern.

Liturgisches Tagesgebet vom Dienstag der 2. Adventswoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 11. Dezember – Dienstag der 2. Adventswoche

10. Dezember – Montag der 2. Adventswoche

Stimme, die durch die Wolken dringt

Wenn die Kinderstimme aus Bethlehem,
der Mensch gewordene Gott,
den Himmel öffnet,
kommt dann unsere Stimme
auch dort an?

Kann sie, bezaubert durch das göttliche Kind,
so klar durchklingen,
durch die Wolken dieser Zeit?

Kann Gott sie im Wirrwarr der vielen Stimmen
erkennen?

Aber – rufen wir denn?
Ankommen kann nur, was ausgegangen ist.
Schwingt die Luftsäule unserer Seele
zu Ihm hin?

Heute können wir es einfach mal tun:
Ihm etwas anvertrauen.
Hören
Fragen
Bitten.
Loben
Anbeten

 

S T I L L E

 

 

Gott, unser Vater,
wir bereiten uns in diesen Tagen darauf vor,
die Menschwerdung deines Sohnes würdig zu feiern.
Lass unser Gebet zu dir dringen
und segne unser Bemühen,
damit unser Leben sich erneuert
und die ursprüngliche Reinheit wiedergewinnt.

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 10. Dezember – Montag der 2. Adventswoche

9. Dezember – 2. Adventssonntag

Gottes Weisheit

Wäre Gott so jemand,
der aus der Meta-Ebene herunter
trompeten würde,
wo‘s lang geht,
durchaus liebevoll, aber deutlich
und für alle hörbar…
Vielleicht würden wir ihm dann folgen.
Er sieht‘s ja von oben,
er hat den Überblick.

Aber nein – er kommt herunter,
auf die Ebene unserer Bedingungen.
Was ist das für einer,
dieser heruntergekommene Gott?
Ein Gott, der uns nicht
direkt in den Himmel,
sondern erst einmal
auf den Staub dieser Erde schauen lässt,
um dort seine Fußstapfen zu finden?

Gottes Weisheit ist anders,
als wir uns das vorstellen.
Gottes Weisheit schlägt ihr Zelt auf
in unserem Hier und Jetzt,
inmitten unserer Aufgaben und Sorgen.

Denn dort liebt uns,
Der selbst LIEBE ist.

Bald hören wir sie wieder,
die Kinderstimme aus Bethlehem,
die den Himmel öffnet
und die Erde bezaubert.

.

.

S T I L L E

.

.

Allmächtiger und barmherziger Gott,
deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg.
Lass nicht zu,
dass irdische Aufgaben und Sorgen uns hindern,
deinem Sohn entgegenzugehen.
Führe uns durch dein Wort und deine Gnade
zur Gemeinschaft mit ihm.

Liturgisches Tagesgebet vom 2. Adventssonntag

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 9. Dezember – 2. Adventssonntag

8. Dezember – Samstag der 1. Adventswoche

Freiheit

Wie können wir frei werden,
wenn maßlose Blockierungen
uns knechten
und das Leben zu vergiften drohen?

Wir werden nicht durch Appelle frei.
Wir werden erst dann frei,
wenn wir verstanden werden.

Menschwerdung Gottes – was heißt das?
Ein Gott kommt
„mit Haut und Haaren“
und sagt zu mir:
Du, ich verstehe Dich!
Ist sich nicht zu schade,
in meine Fußstapfen zu treten,

um meine Wege liebend nachzuvollziehen
und die Tür zu meinem Verlies zu finden,
in das ich mich verkrochen habe.
Er ruft mich,
damit ich mit ihm hinausgehe
und seine Fußstapfen in die Freiheit finde,

mitten im Staub dieser Welt,
der mir um die Augen wirbelt.

Ein Gott, der wartet,
bis sein Hilfsangebot bei mir ankommt

und ich bereit bin,
mit ihm aufzubrechen aus meinem Kerker.
Ein Gott, der mich erwartet, 

der neben mir geht
und mich aufatmen lässt.

Was hindert mich noch daran, seine Hilfe anzunehmen?

.

.

S T I L L E

.

.

Barmherziger Gott,
Du hast deinen Sohn in diese Welt gesandt,

um die Menschen
aus der alten Knechtschaft zu erlösen.
Schenke allen, die auf deine Hilfe warten,
die Freiheit des neuen Lebens.

Liturgisches Tagesgebet vom Samstag der 1. Adventswoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 8. Dezember – Samstag der 1. Adventswoche

7. Dezember – Freitag der 1. Adventswoche

Widerstände

Zum Leben brauchen wir Energie,
aber auch Widerstandskraft:

ein gutes Immunsystem, ein Schmerzabwehrsystem,
eine gesunde Angst…
Sie sollen uns schützen vor unvermeidlichen Gefahren.

Steigert sich aber unsere Angst ins Maßlose,
macht sie sich selbständig,
dann
geht sie gegen uns,
versperrt uns den Zugang zu uns selbst,
zu den anderen
und zu Gott.

Doch zugleich können solche Ängste und Widerstände
paradoxerweise
auf die Tore zu unserer Seele hinweisen.
Denn sie sind wie Alarmanlagen, die uns sagen:
Du, da ist irgendwas in Dir, schau mal hin.
Und sie sind Herausforderungen an unsere Freiheit:
Will ich Gott wirklich begegnen?

Du lernst Dich besser kennen,
wenn Du hinschaust und nicht wegläufst.

Du schaust engagierter hin,
wenn Du Widerstände erkennst
und nicht fliehst.

Ohne dieses innere Engagement, das Freiheit heißt,
ohne die Bereitschaft, Dich kennenzulernen,
gerade durch Widerstände hindurch,
geht Begegnung nicht.

Manchmal aber ist die Versuchung groß,
sich in die Widerstände zu verbeißen,
ihrer gnadenlosen Diktatur alles zu überlassen:
„Das will ich nicht, das mag ich nicht,
das macht mir Angst, dazu habe ich keine Lust…“

Die Alarmanlage wendet sich gegen uns,
wird selbst zur Gefahr.
Ihr schriller Ton lässt verkümmern und verhärten.

Der Falschalarm kann aber auch zur Schelle werden
an der noch verschlossenen Tür.
Sie kann sich öffnen.
Manches „Nein“ kann zum „Doch“ werden,
zum Schlüssel zu neuem Leben
.

Einer steht da und will Dir öffnen.
.
.

S T I L L E
.
.

Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott,
und komm.
Entreiße uns den Gefahren,
in die unsere Sünden uns bringen.
Mache uns frei und rette uns.

Liturgisches Tagesgebet vom Freitag der 1. Adventswoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 7. Dezember – Freitag der 1. Adventswoche

6. Dezember – Donnerstag der 1. Adventswoche

Loslassen

Unsere Bereitschaft ist nicht immer 
bloß vom Alltagsstress gestört.
Es gibt schwerere Brocken:
massive innere Widerstände,
die wir uns nicht erklären können.

Unser gehetztes Auftreten
ist oft nur ein Ausfluss
von diesen Herzbesetzern.
Sie halten uns auf,
fressen unsere Energie weg.
Aber – wohin mit ihnen?

Schau sie erst einmal an.
Ist es Trauer, Wut, Enttäuschung,
Angst, Misstrauen, Schuld…
Benennen-Können ist schon viel.
Versuche erst einmal,
sie über Deinen Körper loszulassen.
Und hol Dir ruhig Hilfe,
Wenn Du spürst, dass Du sie brauchst.

 

S T I L L E

 

 

Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott,
und komm.
Eile uns zu Hilfe mit göttlicher Kraft,
damit durch dein gnädiges Erbarmen
bald das Heil kommt,
das unsere Sünden noch aufhalten.

Liturgisches Tagesgebet vom Donnerstag der 1. Adventswoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 6. Dezember – Donnerstag der 1. Adventswoche

5. Dezember – Mittwoch der 1. Adventswoche

Bereit?

Du willst Dich auf Weihnachten vorbereiten,
und weißt oft nicht so recht, wie.
Advent soll eine besinnliche Zeit sein,
und er rauscht nur so an Dir vorbei.

Doch Du bist nicht allein.
Du bereitest Dich nicht einfach auf ein Ereignis vor,
Du bereitest Dich für eine Begegnung.
Und mehr als Du Dich jemals bereiten könntest,
bereitet Dich Der, der Dir begegnen will.

Seine Liebe zu Dir hängt nicht davon ab,
wie Du Dich vorbereitest.
Nur – kommt sie bei Dir an?
Ahnst Du so etwas wie Gemeinschaft?
Ist Dir seine Liebe Nahrung für Dein Innerstes,
unzerstörbares Leben?

Halte ihm doch heute etwas Zeit frei.
Zünd eine Kerze an,
nimm die Bibel in die Hand,
geselle Dich zu ihren großen Adventsgestalten:
Zacharias, Elisabeth, Johannes,
Simeon, Hanna, Maria…
Und verkoste jedes Wort, das Dich
in ihren Geschichten anrührt.
Mehr braucht es jetzt nicht.

 

S T I L L E

 

 

Herr, unser Gott,
bereite durch das Wirken deiner Gnade
unser Herz,
damit wir bei der Ankunft deines Sohnes
würdig sind,
am himmlischen Gastmahl teilzunehmen
und aus seiner Hand
die Speise des ewigen Lebens zu empfangen.

Liturgisches Tagesgebet vom Mittwoch der 1. Adventswoche

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 5. Dezember – Mittwoch der 1. Adventswoche

4. Dezember – Dienstag der 1. Adventswoche

Wo bleibst Du, Trost der ganzen Welt?

In der letzten Zeit gab es schlimme Nachrichten.
Es gibt sie immer.
Aber manchmal ufert die Drangsal dieser Welt
gespenstisch aus.

Und wenn die Meldung vorbei ist,
bleiben Finsternis und Leid bei den Betroffenen,
während die nächste kommt.
Tag für Tag…

Es ist die Welt von uns allen,
niemand bleibt unberührt,
weder vom Guten, noch vom Bösen,
auch wenn wir nichts zu fühlen meinen.

Aber das ist nicht alles.
Es gibt ihn, den tiefen Trost,
der ganz woanders herkommt
und sich den Leidenden zuwendet.

Es gibt ihn, den tiefen Trost,
Es gibt sie, die Liebe in Person,
die hier ihre Wurzeln geschlagen hat

Und Frucht trägt.

 

S T I L L E

 

 

Herr und Gott,
in unserer Bedrängnis rufen wir zu dir,
erhöre die Bitten deines Volkes.
Bewahre uns vor aller Ansteckung des Bösen
und tröste uns durch die Ankunft deines Sohnes,
unseres Herrn Jesus Christus.

Liturgisches Tagesgebet vom Dienstag der 1. Adventswoche

 

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 4. Dezember – Dienstag der 1. Adventswoche

3. Dezember – Montag der 1. Adventswoche

Warten auf die Große Liebe

Ein Montag im Dezember.
Schon sehr kurz,
gähnt uns um so ausgedehnter an.
Alles wiegt schwerer.

Als Kinder konnten wir es kaum abwarten,
das Kommen des Christkinds,
die Herzen schlugen höner,
die Augen strahlten heller.

Heute regiert das Gesetz der Trägheit.
Man tut‘s – Geschenke kaufen, Karten schreiben…
Ist halt Dezember, Weihnachtsroutine,
machen wir immer so.
In drei Wochen muss alles über die Bühne sein.

Können wir noch einmal w a c h werden?
Wie ein Kind?
Und achtsam bleiben?

Und IHN erwarten,
den Messias, Jesus Christus,
auch wenn sein Kommen sich noch so unwirklich anfühlt?

 

S T I L L E

 

Hilf uns, Gott,
dass wir voll Freude in diesen Tagen
die Ankunft deines Sohnes erwarten.
Nimm alle Trägheit von uns
und mache uns bereit, zu wachen und zu beten,
damit uns Christus nicht schlafend findet,
wenn er kommt und anklopft.

Liturgisches Tagesgebet vom Montag der 1. Adventswoche

 

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 3. Dezember – Montag der 1. Adventswoche

2. Dezember 2018 – 1. Adventssonntag

Advent – advenire – ankommen

Es ist ein schöner Ausdruck, wenn wir im Deutschen sagen: „Das kommt bei mir an.“ Oder: „Du kommst bei mir gut an.“ 

Wenn wir sagen, dass Menschen an Jesus Christus glauben und daraus unzerstörbare Lebenskraft, Hoffnung und Liebe schöpfen, dann meinen wir: Jesus Christus ist in seiner Person und mit seiner Botschaft bei ihnen angekommen. Sie sind zwar dadurch noch nicht durch und durch heilig, aber seine Person und sein Anliegen sind angekommen. Die Adressaten haben verstanden, worum es geht, zumindest so, wie sie es zu dem Zeitpunkt können. Sie können mitschwingen, es ist ein Aha-Erlebnis, sie können sich auf den Weg machen, sie können mitmachen bei der Gestaltung der neuen Welt Gottes, ohne sich krampfhaft anstrengen zu müssen: weil sie vom Geist beschwingt sind.

Was von der Person und der Botschaft Jesu Christi
ist in Deinem Leben schon einmal angekommen?

 

S T I L L E

 

Herr, unser Gott
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen
und uns durch Taten der Liebe
auf seine Ankunft vorbereiten,
damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten,
wenn er wiederkommt in Herrlichkeit.

Liturgisches Tagesgebet des 1. Adventssonntags

 

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 2. Dezember 2018 – 1. Adventssonntag

1. Dezember 2018 – Samstag vor dem 1. Advent

Der Weg des Glaubens ist nicht Wellness. Aber Loslassen, den Alltagsrucksack leichter machen, um den Weg nach „Bethlehem“ gehen zu können, ist auch nichts Griesgrämiges oder gar Elitäres, als würde man alles, was irgendwie Freude macht oder den Alltag ein wenig entspannter macht, weit von sich weisen. Es geht um Freiheit, um wachsende innere Freiheit.

Alles hat seine Zeit: die tiefen existenziellen Fragen, denen wir nicht ausweichen sollten, und die Momente, in denen wir „die Seele baumeln lassen“, weil wir uns in Gott geborgen wissen. Beides gehört zum Weg des Glaubens: die Aufwärmung und die Herausforderung.

Jetzt, wo sich Dein Rucksack ein klein wenig leichter anfühlt – auch wenn er de facto vielleicht noch nicht viel leichter geworden ist -, beginne Deine Wanderung mit einer kleinen Aufwärmung. Vorschlag: Koche Dir einfach mal einen herrlich duftenden Tee, zünde eine Kerze an und erfreue Dich an dieser wunderschönen Panflötenmusik:

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für 1. Dezember 2018 – Samstag vor dem 1. Advent

Gedanken zum Adventskalender

Am 25. Dezember 354 wurde in der Kirche zum ersten Mal das christliche Weihnachtsfest liturgisch gefeiert. Die Christen wollten mit diesem Fest ihrem Glauben an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und ihrer Dankbarkeit und Freude über seine Geburt Ausdruck verleihen. Mit dem Fest der Geburt Jesu begann zunächst auch das neue christliche Jahr, dessen jeweilige Zahl sich ja bis heute auf Christi Geburt bezieht.

Doch die Christen empfanden zu Recht, dass man sich auf dieses große Fest auch vorbereiten müsse. Sie wollten den Mensch gewordenen Gott im jeweiligen Heute empfangen und ihm bewusst Wege bereiten, damit Er auch wirklich ankommen konnte in ihrem Alltag. So wurde eine ähnliche Vorbereitungszeit wie auf das Osterfest eingeführt. Zunächst dauerte sie ebenfalls 40 Tage, später nur drei bis vier Wochen, d.h. insgesamt vier Sonntage vor Weihnachten mit den entsprechenden Werktagen dazwischen bzw. nach dem 4. Sonntag bis zum Fest. Das neue Kirchenjahr begann nun nicht mit der Geburt Christi, sondern bereits mit dem 1. Adventssonntag.

Die letzte Woche vor dem Fest hatte noch einmal eine besondere Dynamik. Mindestens seit dem 7. Jahrhundert werden bis heute vom 17. bis zum 23. Dezember die sogenannten O-Antiphonen gesungen, an jedem Tag eine, die die Spannung vor dem Fest und die Sehnsucht nach dem Kommen Christi noch stärker zum Ausdruck bringen. Sie wurden und werden immer noch vor allen in den Klöstern gesungen, als Antiphonen zum täglichen „Magnificat“ in der Vesper, begleitet mit Glockengeläut.

In den Kirchengemeinden wurden im Advent zur Vorbereitung auf das Weihnachtsfest täglich Andachten angeboten. Doch Kindern blieben diese Andachten oft fremd und unverständlich. Zudem hatten sie noch kein Gefühl für die Zeit, die bis Weihnachten noch blieb. So begann man Mitte des 19. Jahrhunderts, diese Zeit für sie greifbarer zu gestalten. Die Familien hängten im Advent nach und nach 24 Bilder an die Wand oder ans Fenster, jeden Tag einen, oder malten 24 Kreidestriche an einen Türpfosten – die Sonntage länger und farbiger -, von denen die Kinder jeden Tag einen wegwischen durften. Es gab noch viele andere Möglichkeiten: Evangelische Familien hängten 24 Fähnchen und Sternchen mit jeweils einem Bibelspruch nach und nach an kleine Adventsbäumchen, in katholischen Familien legten die Kinder täglich für eine gute Tat ein Strohhälmchen in die noch leere Krippe, damit das Christkind zu Weihnachten möglichst weich liege. In Österreich kannte man die „Himmelsleiter'“ mit 24 Sprossen, auf denen das Christkind nach und nach auf die Erde herunter kam, im winterlich dunklen Skandinavien brannte im Advent eine Kerze, die in 24 Abschnitte unterteilt war, von denen jeden Tag einer abbrennen durfte. Gegen Ende des 19. Jh. – vielleicht nicht zufällig als im Zuge der Eisenbahnentwicklung „getaktete Zeit“ immer bestimmender wurde und eine einheitliche gesetzliche Uhrzeit die vielen verschiedenen Ortszeiten verdrängte – kamen die „Adventsuhren“ auf, mit 24 Stunden darauf, auf denen die Kinder täglich den Zeiger entsprechend eine Stunde weiter schieben konnten, bis „um 24 Uhr“ das Christkind kam.

Auch der Adventskranz, der 1839 in einem Waisenhaus in Hamburg entstanden sein soll, war eigentlich ein Adventskalender. Er bestand aus so vielen Kerzen wie der Advent Tage hatte, wobei die Kerzen für die Sonntage dicker und rot waren. Jeden Tag wurde eine Kerze angezündet. Da der Kranz mit dem wachsenden Licht aber wegen der vielen Kerzen groß und unpraktisch (und auch gefährlich) war, blieb schließlich nur noch ein kleinerer Kranz mit vier großen roten Kerzen für die vier Adventssonntage übrig, die mit dem wachsenden Licht die freudige Spannung auf das Kommen Christi symbolisieren sollten. Es ist bis heute eines der schönsten und beliebtesten Symbole für den Advent geblieben.

Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden die ersten gedruckten Adventskalender, zunächst als Adventsuhren, später in allen möglichen Varianten, mit Fensterchen oder Türchen, mit und ohne Schokolade, als Papphäuschen oder wie auch immer. Der schwäbische Buchhändler und Verleger Gerhard Lang (1881-1974) war an dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt. Die noch heute gebräuchlichen Formen führen auf ihn zurück. Sein Erfolg war aber so groß, dass er den Vertrieb einstellen musste, nachdem sich der Adventskalender-Brauch immer mehr verbreitet hatte und die Konkurrenz zu groß geworden war.

Ein trauriges Kapitel in der Geschichte des Adventskalenders ist die Entfernung von christlichen Inhalten in der Zeit des Nationalsozialismus. Die NSDAP verbot 1941 die kirchliche Presse und ließ einen eigenen „Vorweihnachtskalender“ produzieren und verteilen, über den sie eigene Propaganda in die Kinderzimmer schleuste. Die Adventszeit sollte komplett umgedeutet, sämtliche christlich-religiösen Elemente entfernt und mit Inhalten der neuen Ideologie besetzt werden. Der Adventskranz wurde zum Sonnenwendkranz, das Christkind zum Lichtkind. Statt Advent hieß es nun Vorweihnachtszeit und der hl. Nikolaus musste dem Schimmelreiter Platz machen, den man mit dem Gott Wotan verband. (Der „Weihnachtsmann“ lässt grüßen!)

Nach dem Krieg wurde diese Entwicklung weitgehend rückgängig gemacht, zumindest die Nazi-Ideologie verschwand zum Glück komplett aus den Adventskalendern. Doch leider erleben wir heute eine weitere Welle gezielter und fast schon aggressiver Entfernung von allen christlichen Inhalten aus Adventskalendern, die eigentlich schon keine mehr sind. In christlichen Kreisen aber ist der ursprüngliche Brauch als Vorbereitung auf Weihnachten lebendig geblieben.

Kein Wunder, dass inzwischen auch die Online-Welt die Adventskalender für sich entdeckt hat! Da im Internet mit seiner überwältigenden Bilderflut bloße Bildchen langweilig sind und auch Schokolade nicht geht, rückt die Besinnung wieder mehr in den Vordergrund – durch Texte, Musik, Gedichte und Gebete. Das hat den Brauch des Adventskalenders noch einmal bereichert und auch für Erwachsene attraktiv gemacht.

Diesem Brauch schließen wir Schwestern uns erstmals an mit einem eigenen Online-Adventskalender. Die jeweiligen Impulse werden am entsprechenden Tag automatisch freigeschaltet.

Wir wünschen viel Segen auf dem Weg nach Bethlehem!

Veröffentlicht unter Advent | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Gedanken zum Adventskalender

Gedanken zur Dreifaltigkeit

..
Dreifaltigkeit – für viele ein mysteriöses Wort. Manche erinnern sich noch an Wissensfetzen aus dem Religionsunterricht. Viele assoziieren mit dem Wort ein frommes Kopfzerbrechen über eine mathematische Gleichung, die so nicht stimmen konnte. Man fand sich schließlich damit ab, dass halt bei Gott nichts unmöglich ist, auch nicht die eigentlich unmögliche Gleichung auf der Tafel unseres religiösen Wissens: 3=1. Man zuckte ratlos mit den Schultern und ging zur Tagesordnung über, denn „3=1“, das war nicht zu lösen und hatte schon gar nichts mit dem eigenen Leben zu tun.

..
Wie sollte es auch? Was mit der göttlichen Dreifaltigkeit gemeint ist, ist keine Mathematik. Eher könnte uns die Grammatik auf die Sprünge helfen. Erinnern wir uns an „Aktiv“ und „Passiv“: Ich sehe – ich  werde gesehen; ich spreche an – ich werde angesprochen; ich liebe – ich werde geliebt usw. Da ist also einer, der sieht und einer, der gesehen wird; einer, der anspricht, und einer, der angesprochen wird, einer, der liebt, und einer, der geliebt wird, einer, der sich verschenkt, und einer, der das Geschenk der Hingabe empfängt. Und dann ist auch noch das Verb als solches da bzw. seine Bedeutung: der Akt des Sehens und Gesehen-Werdens, des Ansprechens und Angesprochen-Werdens, des Liebens und Geliebt Werdens usw., mit allem, was an „Sinn“, eben an „Geist“, an personaler Kraft diesen Akt ausmacht. Er verbindet die beiden Personen quasi wie eine dritte eigene „Person“ miteinander: den, der sieht, anspricht, liebt, mit dem, der gesehen, geliebt, angesprochen wird. Würde diese „dritte Person“, dieser personale Impuls des Sehens, Ansprechens, Liebens bzw. des Zulassens und Empfangens von alledem fehlen, es gäbe keine Interaktion zwischen den beiden.


Ich weiß, damit haben wir das Mysterium der Dreifaltigkeit noch lange nicht erklärt. Ganz abgesehen davon, dass es schon unter Menschen ja nicht so ist, dass beispielsweise ein Vater oder eine Mutter ihr Kind „nur“ aktiv liebt und das Kind sich „nur“ passiv lieben lässt. Nein, während das Kind sich lieben lässt, antwortet es bereits auf die Liebe, die es geschenkt bekommt. Es antwortet mit seinem Vertrauen, mit seinem Lachen, mit dem Leuchten seiner Augen, die das „Geliebt-Sein“ und seine innere Zustimmung dazu widerspiegeln, sein Echo auf diese Liebe. Und vom liebenden Vater oder der liebenden Mutter wird diese Antwort genauso liebevoll angenommen, also ist auch der aktiv Liebende nicht „nur“ gebend, sondern auch empfangend. Beide sind aktiv und passiv zugleich. Das Kind liebt bereits den, der es liebt – auf seine Weise und mit seinen Möglichkeiten, und erlebt sich darin „eins“ mit der Person, die es liebt. Und diese Person, die „zuerst“ liebte, lässt sich ebenso vom liebenden Kind beschenken. Genau darin erleben sie sich eins. Es ist aber eine Einheit, die die Freiheit nicht aufhebt. Im Gegenteil!

..
Auch Jesus liebte seinen „himmlischen Vater“, während er aus dessen Liebe schöpfte. Er liebte ihn mit seinem Vertrauen, mit seiner Loyalität, mit seiner Bereitschaft zu hören und mitzugehen. Er liebte also durchaus aktiv und schöpferisch, frei wie kein anderer. Aber er war dabei immer ausgerichtet auf die Liebe des Vaters, in der Haltung des Vertrauens, des Antwortens eben, der Beziehung, des inneren Eins-Seins.


Es ist äußerst wichtig, beide Momente zu sehen, wenn wir an die Liebe denken: Lieben und Sich-Lieben-Lassen. Denn beides zusammen ist erst vollendete Liebe, und beides ist in Gott. Wir Christen sagen sogar: Beides IST Gott. Beides? Alle drei! Auch die Beziehungskraft als solche, die „hin- und hergeht“, der „Geist“ des Liebens, IST Gott. Der Gott, an den wir Christen glauben, ist alles andere als transzendente Langeweile. Er ist Lebendigkeit pur, LEBEN des Lebens, das die Schöpfung mit allen ihren Evolutionen darin nicht nur schöpferisch hervorbringt, sondern sich auch in sie hinein inkarniert und sie vollendet. Licht vom Licht, das unsere Herzen zum Leuchten bringt, wenn wir an den lebendigen Gott glauben.


Der Akt des Liebens, das meint also das Bild des „Vaters“; das Sich-lieben-Lassen, das meint „Sohn“; die „Essenz“ der Liebe, also das, was hin und her fließt und sich verströmt und verbindet: das meint „Geist“. Und das ist alles IN GOTT. Das alles IST Gott: der sich bewegende Beweger. Das ist enorm wichtig für unser Verständnis vom Leben, vom Menschen, von der Welt, von allem, was ist. Alles ist in Bewegung, alles „tanzt“. Es gibt nicht den einsamen Kern, der alles zusammenhält als wäre alles darin festgezurrt, oder das „höhere Wesen“ als einsame Spitze, die alles überragt. Von den Elementarteilchen bis zu den Galaxien, alles tanzt. Alles bringt durch lebendige Beziehung Leben hervor. Auch Gott „tanzt“, als Ursprung, Quelle und Ziel dieser Lebendigkeit in dieser feinen Bewegung der Liebe, die in der göttlichen Dreifaltigkeit herrscht.

Und doch sind es nicht drei Götter. Es ist die eine Gottheit. Wie soll man das verstehen? Gott können wir natürlich nie verstehen. Aber nicht, weil er so kompliziert wäre. Dreifaltigkeit ist nicht kompliziert. Ich suche immer gern Brücken – auch im Bewusstsein, wie unzulänglich diese sind. Aber es gibt sie! Wenn Gott die Welt erschaffen hat, dann muss die Schöpfung irgendwie mit ihm „verwandt“ sein. Erst recht der Mensch, den Juden und Christen als „Ikone Gottes“ ansehen. Dann muss im Nachdenken über den Menschen und über die innere Struktur der Schöpfung auch so etwas wie ein Bogen zum Wesen Gottes erahnbar sein – ohne dass dies schon das restlose Verstehen Gottes oder auch nur der Welt bedeuten würde.

.
Wenn Du, Mensch, über Dich selbst nachdenkst, Dich selbst immer besser erkennst, annimmst, liebst, dann ist das ein faszinierender Vorgang. Kein Tier kann das. In Deinem Gehirn läuft Unglaubliches ab, das die Grenzen Deines Gehirns gleichsam überschreitet. Denn Du denkst über Dich selbst nach! Du stellst Dich in gewisser Weise neben Dich und betrachtest Dich. Im besten Fall nimmst Du Dich liebevoll an, vielleicht auch barmherzig. Auch das – ein ungeheurer Vorgang! Du stehst also „neben Dir“ oder „vor Dir“. Das heißt: Da ist einer, der schaut, und einer, der angeschaut wird – und es sind doch keine zwei Leute! Du bist auch nicht gespalten. Denn es ist eine Beziehung da, eine Einheit, jedenfalls solange Du bei der Wahrheit bleibst und Dir nichts vormachst. Es ist eine Beziehung, die Sinn gibt, die Dich vielleicht auch staunen lässt. (Das ist auch ein Grund für die sogenannte Selbsterkenntnis, die viel mehr ist als das bloße Eingestehen von Fehlern und Schwächen.) Und Du denkst über diese Beziehung nach, als wäre sie „eine Dritte im Bunde“. Du spürst ihre Heilkraft und schöpferische Energie, die Dich eins sein lässt, Dir zugleich entströmt und über Dich hinausführt. Und es sind doch keine drei Leute! Du bist immer noch Du. Es ist „Geist“ in Dir – Geist, der Dich beziehungsfähig macht, der Dich dazu befähigt, andere anzunehmen und Dich von ihnen annehmen zu lassen. (Jesus sagte es viel einfacher: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.)
.
Was uns allerdings von Gott unterscheidet ist, dass diese Möglichkeiten nicht selten in unserem Innersten verschüttet bleiben oder nur sehr rudimentär gelebt werden, manchmal leider auch in eine billige und krankhafte Selbstbespiegelung hinein verkommen, die sich in Millionen Selfies verliert – wenn wir nie im Leben die Erfahrung gemacht haben, bedingungslos geliebt zu sein. Trotzdem glaube ich, dass diese Möglichkeiten in uns auch dann nicht ganz verloren sind, denn Gott liebt uns immer. Manche Menschen ahnen das – selbst unter katastrophalen menschlichen Bedingungen. Sie erfahren menschlich so gut wie nie echte Liebe und ahnen doch, dass immer ein göttlich-liebender Blick auf ihnen ruht und sie führt. Wenn sie dann doch einmal menschliche Liebe erleben, ist es für sie wie ein „Wiedererkennen“, das sie nur noch staunen lässt. 

.
Nimmst Du Dich also selbst an, dann bist Du zugleich die Person, die annimmt, die Person, die angenommen wird, und Du bist im Akt des Annehmens lebendig gegenwärtig, bringst darin Dein Innerstes zum Ausdruck, den „Geist“ in Dir, der das kann – und der dann auch aus sich heraustreten und andere Menschen annehmen und mit ihnen Gemeinschaft haben kann. Auch das bist Du selbst. Du bist in diesen drei „Personen“, von denen jede ihren „Charakter“ oder ihre „Funktion“ hat, immer Du selbst in Deiner Einmaligkeit. Du bist keine „Multipersönlichkeit“, sondern hast in Deiner ungeteilten Einmaligkeit – als Bild Gottes – eine trinitarische Struktur, wenn man so sagen darf, ja, eine Beziehung in Dir. 

.
Wir sind es nicht gewohnt, so zu denken. Denn von der Neuzeit her haben wir eine Vorstellung von Person, die nur die bloße Eigenständigkeit und isolierte Individualität kennt, die sich auf die Aktion des unmittelbaren Denkens, Entscheidens und Tuns beschränkt. Und logischerweise denken wir ähnlich von Gott (falls wir überhaupt noch mit ihm rechnen): als wäre er ein überirdischer einsamer Uhrmacher, der sich entscheidet, mal an diesem, mal an jenem Rädchen zu drehen. Und wir bestürmen ihn, möglichst unsere Lieblingsrädchen zu drehen… Dieses Gottesbild hat stark das 19. Jahrhundert geprägt, auch bei vielen Christen, die viel mehr „Kinder ihrer Zeit“ waren als sie ahnten. Und ich bin überzeugt, dass unsere heutige Gottes-, Glaubens- und Kirchenkrise immer noch damit zu tun hat. Nein, Gott ist definitiv kein einsamer Uhrmacher. Es gehört zur Tragik unserer Zeit, dass derjenige, dem aufgeht, dass Gott kein einsamer Uhrmacher sein kann, sich von Glaube und Kirche abwendet, weil er nichts anderes kennt als dieses neuzeitlich beschränkte Gottesbild. Aber das ist nicht der Gott der Christen – auch wenn viele Christen das meinen! Der Gott der Christen ist dreifaltig, das ist geradezu revolutionär! Doch wir haben in über 2000 Jahren Kirchengeschichte an diesem Glauben zwar festgehalten, aber – mit einigen Ausnahmen – noch viel zu wenig davon verstanden. Wir können es ja auch nie ganz verstehen. Aber es kann nichts „Fremdes“ sein, wenn dieser Gott der Urheber allen Lebens ist!
.
Irgendwie bin ich überzeugt: Die Erneuerung des Glaubens, der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden, aber auch die Erneuerung des Miteinanders in Europa, werden dann möglich sein, wenn wir Gottes Dreifaltigkeit neu entdecken. Nicht als Dogmatismus, sondern als DNA des Lebens: Doppelstrang des Geliebt-Werdens und Liebens, der eine unglaubliche schöpferische Kraft enthält und freisetzt.
.
Und eine tiefe Hoffnung in mir sagt: Es wird auch geschehen – sobald die Zeit dafür reif ist.
Davon abgesehen: Es geschieht längst – ganz unspektakulär. 

Veröffentlicht unter Dreifaltigkeit | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Gedanken zur Dreifaltigkeit